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1894 verübte der italienische Anarchist Santo Caserio ein Attentat auf den Präsidenten der französischen Republik Marie Francois Sadi Carnot. Der Präsident wurde sofort nach dem Attentat in ein nahegelegenes Krankenhaus gebracht und, da die Schüsse eine Bauchverletzung verursacht hatten, wurde eine Operation vorgenommen. Es wurde eine Verletzung der Pfortader in Lebernähe festgestellt, jedoch verblutete der Präsident, weil keiner der anwesenden Operateure in der Lage war, das verletzte Gefäß zu versorgen.
Seit dieser Zeit haben umfangreiche labor- und tierexperimentelle Untersuchungen sowie der generelle Fortschritt der Chirurgie, vor allen Dingen aber auch die Einführung eines künstlichen Blutgefäßersatzes 1952 (Bypaß-Prothese aus Vinyon-N-Röhrchen von Voorhoeve, Jaretzky und Blakemore) die Chirurgie der Blutgefäße etabliert und zu einer Verselbständigung der Gefäßchirurgie innerhalb des großen Gebietes der Chirurgie geführt.
Heutzutage ist praktisch jedes Blutgefäß , angefangen von den größeren Hirngefäßen und den hirnversorgenden Schlagadern am Hals bis hinunter zu den kleinen Schlagadern im Knöchelbereich und Fußrücken operabel .
Die Prinzipien der gefäßchirurgischen Operationen ähneln sich im wesentlichen, unabhängig vom jeweils betroffenen Blutgefäß. Eine Verengung, bzw. auch ein kompletter Verschluß einer Schlagader wird entweder durch einen Bypaß aus Kunstmaterial oder körpereigener Vene überbrückt, oder aber ausgeschält ( Thrombendarteriektomie , TEA), um den Blutstrom wieder ungehindert passieren zu lassen. Bei Verletzungen größerer Gefäße gilt es mit möglichst körpereigenem Material, evtl. allerdings auch mittels Prothese das zerstörte Gefäß in seiner Kontinuität wieder herzustellen. Bei Aneurysmen (degenerativen Erweiterungen der Schlagadern) muß dieses Segment der Arterie ersetzt werden, um eine weitere Aufdehnung und schließlich die Ruptur zu vermeiden.
Im Bereich der Venen (Blutadern) handelt es sich meistens um Krampfaderoperationen, bei denen das Operationsziel im Entfernen der erkrankten Venen und damit Schonung der noch nicht erkrankten oberflächlichen und vor allen Dingen der tiefen Beinvenen liegt.
In den letzten Jahren haben sich,wie auch in der Allgemeinchirurgie, zusätzlich zu den klassischen gefäßchirurgischen Operationen, bestimmte sog. minimal invasive Verfahren etabliert, bei denen über kleinste Hautschnitte bzw. auch nur Punktionen mit Spezialkathetern Gefäßverschlüsse (hauptsächlich im arteriellen Bereich) beseitigt werden können. Hierzu gehört die Ballonaufdehnung einer Gefäßverengung (Angioplastie), die Auflösung (Lysetherapie) und Absaugung von Blutgerinnseln bei akuten Gefäßverschlüssen, die Implantation von aufdehndenden Metallspiralen (Stents) und, noch in der Entwicklung begriffen, die Implantation von mit Metallspiralen verstärkten Prothesen (Endoprothesen) zur Überbrückung und Ausschaltung eines Aneurysmas. Letztere Methode ist erst bei wenigen Patienten weltweit durchgeführt worden und erfordert einen kleinen operativen Eingriff, nämlich die Freilegung einer oder beider Leistenschlagadern.
Operationsverfahren nach Gefässen
A.Vertebralis-Rekonstruktionen, auch A. Carotis - A. Vertebralis Bypass (bei Verschlüssen oder Verengungen der hinteren Halsschlagader, welche durch die Seitenfortsätze der Halswirbelkörper zum Gehirn zieht, kann durch eine lokale Ausschälplastik oder durch einen Bypaß mit körpereigener Vene die Durchblutung wiederhergestellt werden)
A. Carotis TEA (bei Verengungen, typischerweise des Abgangsbereiches der zum Gehirn ziehenden inneren Halsschlagader wird durch eine Ausschälplastik, in der Regel mit anschließendem Einnähen eines schmalen Kunststoffstreifens das Strömungshindernis beseitigt)
A.Subclavia-Rekonstruktion (bei Verschlüssen dieser hinter dem Schlüsselbein liegenden Schlagader, welche typischerweise am Abgang der Schlagader liegen, kann durch eine Umpflanzung der Arterie in die Haupthalsschlagader eine Normalisierung der Blutversorgung des Armes und der aus ihr hervorgehenden hinteren Halsschlagader erreicht werden)
Thorakale Aortenaneurysmen (bei Erweiterung einer Schlagader (= Aneurysma), in diesem Falle der Brustschlagader, droht die akute Ruptur, so daß die Schlagader im aufgeweiteten Abschnitt durch eine Gefäßprothese ersetzt wird)
Aortendissektion (die Aortendissektion (Dissektion = Spaltung, Zerschneidung) entsteht durch einen Einriß der inneren Schicht der Gefäßwand mit anschließender Ablösung dieser inneren Gefäßwandschicht von der äußeren Schicht, so daß praktisch ein Rohr im Rohr entsteht. Hierdurch kann es zu einer akuten Ruptur, einem akuten Verschluß abgehender Seitenäste oder aber chronisch zu einer Aneurysmabildung kommen. Die Therapie besteht im Ersatz des erkrankten Aortenabschnittes durch eine Gefäßprothese.)
Thorakale Gefäßrekonstruktionen mit Sternotomie (bei Verschlüssen, Verengungen oder auch Aneurysmabildungen im herznahen Bereich der Brustschlagader besteht über eine den Patienten wenig belastende Längseröffnung des Brustbeines ein idealer Zugangsweg für jede Art von Rekonstruktion - Bypaß, lokale Ausschälplastik, Prothesenersatz -)
Aorto-truncaler Bypaß (bei Durchblutungsstörungen der oberen Baucheingeweide - Magen, Leber, Milz, Gallenblase, Zwölffingerdarm, Bauchspeicheldrüse - welche durch eine meistens hauptschlagadernahe gelegene Einengung oder sogar einen Verschluß der entsprechenden Schlagader entstehen, kann man durch einen kurzen Bypaß, meistens mittels körpereigener Vene, die Durchblutung wieder normalisieren)
Thorako-aorto-bifemoraler Bypaß (bei Durchblutungsstörungen der Beine, die durch einen sog. hohen Verschluß bzw. durch höchstgradige Verengungen der Haupt- und Beckenschlagadern verursacht werden, kann durch eine umgekehrt Y-förmige Bypaßanlage von der Brustschlagader das Blut in die beiden Leistenschlagadern umgeleitet werden)
Aorto-femoraler Bifurkationsbypaß (in der Regel wird dieser umgekehrt Y-förmige Bypaß bei Verschlüssen bzw. multiplen hochgradigen Verengungen der unteren Hauptschlagader sowie der Beckenschlagadern zur Umleitung des Blutes in die Beinschlagadern angelegt)
Bauchaortenaneurysmen, elektiv und rupturiert (viel häufiger als im Bereich der Brustschlagader tritt in der unterhalb der Nierenarterienabgänge gelegenen Bauchschlagader eine Erweiterung auf. Diese droht vor allen Dingen ab einem Querdurchmesser von 5 cm zu rupturieren, so daß man bei rechtzeitiger Diagnosestellung den erkrankten Teil der Hauptschlagader durch eine Gefäßprothese ersetzt. Für den Gefäßchirurgen ist dies eine Routineoperation mit einer geringen Komplikationsrate. Im Stadium der akuten Ruptur besteht höchste Lebensgefahr und auch bei routinierten Gefäßchirurgen ist die Operation einer rupturierten Bauchschlagader mit einer Sterblichkeitsrate von 30 - 50 % verbunden.)
Nierenarterienrekonstruktionen (bei jüngeren Menschen vor allen Dingen zur Therapie eines nierenbedingten Bluthochdruckes, bei älteren Menschen vor allen Dingen zur Verhinderung eines Nierenverlustes können Verengungen oder Verschlüsse im Abgangsbereich der Nierenarterien durch eine Ausschälplastik oder aber eine Bypaß-Operation therapiert werden)
Mesenterialgefäßrekonstruktionen (in gleicher Weise können auch an den übrigen Eingeweidearterien Verschlüsse, Verengungen oder aber auch Aneurysmabildungen therapiert werden)
Iliacal-TEA (die Arteria iliaca, die Beckenschlagader, kann bei Verschlüssen oder hintereinandergeschalteten hochgradigen Verengungen durch eine sog. Ausschälplastik - = TEA, Thrombendarteriektomie - wieder durchgängig gemacht werden)
Iliaco-femoraler Bypaß (in manchen Fällen bietet sich allerdings als Alternative zur Ausschälplastik die Anlage eines Bypasses, sprich einer Umleitung durch Implantation einer Gefäßprothese von der Beckenschlagader zur Leistenschlagader an.)
Femoralis-TEA (bei örtlichen Verschlüssen oder höchstgradigen Verengungen der Leistenschlagader kann hier, wie auch in der Beckenschlagader, eine Ausschälplastik durchgeführt werden.)
Profunda-Plastik (die Arteria profunda femoris - die tiefe Oberschenkelarterie - ist ein sehr wichtiges Gefäß, da es bei Verschlüssen der sog. oberflächlichen Oberschenkelschlagader die Blutversorgung des gesamten Beines bis zum Fuß übernimmt. Bei Verengungen im Abgangsbereich kann auch hier durch eine Ausschälplastik mit anschließender Erweiterung durch einen eingenähten Kunststoff- oder Venenstreifen die Durchblutung des Beines soweit verbessert werden, daß eine aufwendige Bypaßversorgung nicht mehr notwendig ist)
Femoro-poplitealer Bypaß (bei trotz intakter Arteria profunda femoris bestehenden Durchblutungsstörungen des Beines wegen eines Verschlusses der oberflächlichen Beinschlagader kann eine Bypaß-Versorgung von der Leistenschlagader zur Kniegelenksschlagader - oberhalb vom Kniegelenk in der Regel mittels eines Kunststoffbypasses, unterhalb des Kniegelenks in der Regel mittels körpereigener Vene - die Durchblutung des Beines wieder normalisieren)
Femoro-cruraler Bypaß (bei Verschluß sowohl der oberflächlichen Oberschenkelschlagader als auch der Kniegelenksschlagader ist bei schweren Durchblutungsstörungen mit Gewebsuntergang und Ruheschmerz die Anlage eines Bypasses, wenn möglich mit körpereigener Vene, von der Leistenschlagader auf ein crurales, d.h. Unterschenkelgefäß, angezeigt)
Amputationen (leider gehören auch Amputationen bei nicht mehr beherrschbaren Durchblutungsstörungen, d.h. bei Dauerschmerzen, Gewebszerfall mit hoher Infektionsgefahr und gleichzeitig nicht mehr operablen Blutgefäßen zu unserer Aufgabe)
Periphere Aneurysmen (wie auch bei der Hauptschlagader können bei kleineren Arterien des Körpers Erweiterungen, sog. Aneurysmen, auftreten, welche den Patienten durch eine akute Ruptur, aber auch durch Verschluß bei einer Blutgerinnselbildung und Verlegung von nachfolgenden Arterien durch Verschleppung von Blutgerinnselteilen gefährden können. Ein typisches Beispiel hierfür ist das Aneurysma der Kniekehlenarterie. Die erkrankten Gefäßabschnitte werden entweder ersetzt - mit Kunststoffmaterial oder körpereigener Vene - oder aber durch einen Bypaß ausgeschaltet.)
Gefäßtumoren (ebenso wie an anderen Geweben des Körpers können, allerdings in sehr seltenen Fällen, gutartige und bösartige Tumoren in der Wand der Blutgefäße entstehen. Die Therapie besteht in einer gründlichen Entfernung des Gefäßes mit seinem umgebenden Gewebe und einem entsprechenden Gefäßersatz.)
Gefäßverletzung (bei Verletzung größerer Blutgefäße wird eine Rekonstruktion vorgenommen.)
Embolektomien (ein Embolus - d.h. ein Blutgerinnsel, welches durch Verschluß einer Schlagader die Durchblutung eines bestimmten Körperabschnittes unterbricht - wird in der Regel mit Hilfe eines Spezialkatheters, häufig in örtlicher Betäubung, wieder entfernt.)
Thrombektomien arteriell (ein Thrombus - d.h. ein an einer Gefäßwandverkalkung oder einer hochgradigen Verengung an Ort und Stelle entstandenes Blutgerinnsel - kann ebenfalls mit Hilfe eines Spezialkatheters entfernt werden, allerdings ist die Erfolgsrate nicht so hoch wie bei der Embolektomie und es kann evtl. eine anschließende Bypaßversorgung o.ä. nötig werden.)
Dialyse-Shunts (ein Patient, der infolge einer Nierenerkrankung einer chronischen Blutwäsche - Dialyse - unterzogen werden muß, braucht eine dauerhafte, sichere Möglichkeit zur Blutentnahme und Blutrückgabe, so daß in der Regel eine unter der Haut liegende Vene mit einer Schlagader verbunden wird, so daß Blutdruck und Blutvolumen in der normalerweise nur kleinen Vene stark erhöht werden.)
Subclavia-axillo-femoraler Bypaß (alternativ zu o. genannten Bypaß-Verfahren bei Gefäßverschlüssen und Durchblutungsstörungen der Beine kann bei Patienten mit sehr hohem Operationsrisiko eine Bypaßumleitung von der unter dem Schlüsselbein liegenden Armarterie in eine oder beide Beinarterien vorgenommen werden. Da der Bypaß unter die Haut gelegt wird, ist dieser Eingriff für den Patienten im Gegensatz zu z.B. einer Y-Prothese, bei welcher der Bauch eröffnet werden muß, nicht sehr belastend.)
Iliaco-femoraler Cross-over-Bypaß (ähnlich wie bei dem Subclavio-axillo-femoralem Bypaß kann bei Patienten mit hohem Operationsrisiko bei Verschluß einer Beckenschlagader mit entsprechenden Durchblutungsstörungen des Beines auch ein querverlaufender Bypaß von der einen Leistenschlagader zur anderen Leistenschlagader mit Verlegung des Bypasses unter der Haut vorgenommen werden.)
TOS (Thoracic outlet Syndrom - Entfernung der ersten Rippe) - (bei Patienten, die von Geburt an eine überzählige Rippe, einen ungewöhnlichen Muskel- und Gefäßverlauf, oder aber einen überzähligen Muskel im Bereich des Halses haben, kann es unter bestimmten Umständen zu Kompressionen des Nerven- und Blutgefäßbündels, welches den Arm versorgt, kommen. Diese Erkrankung wird durch Entfernung der ersten Rippe, teilweise auch nur durch Entfernung des überzähligen Muskels bzw. seines Ansatzes an der ersten Rippe therapiert.)
Sympathektomien thorakal (bei bestimmten Durchblutungsstörungen des Armes, aber auch bei Patienten mit stark erhöhter Schweißproduktion der Achsel- und der Handschweißdrüsen kann durch eine Unterbrechung der sympathischen Nervenfasern, die zum Arm ziehen, eine deutliche Besserung erzielt werden.)
Sympathektomien lumbal (ähnlich wie am Arm können auch die sympathischen Nervenfasern, die das Bein und den Fuß versorgen, ausgeschaltet werden. Dieses kann man inzwischen ohne Operation durch Einspritzen eines sog. Verödungsmittels unter Röntgenkontrolle erreichen)
PTA Angioplastie (bei kurzstreckigen Verengungen oder auch Verschlüssen einer Schlagader kann in bestimmten Fällen über spezielle Katheterverfahren mittels eines aufblasbaren Ballons, mittels kleiner rotierender Messer oder auch mittels eines Lasers eine Wiedereröffnung eines Blutgefäßes erzielt werden. Hierdurch kann eine notwendige gefäßchirurgische Operation manchmal noch für Jahre hinausgeschoben werden)
Varizenoperationen (im venösen Bereich bestehen ungefähr 90 % der Operationen aus der Behandlung, d.h. in der Regel der Entfernung von Krampfadern. Im Gegensatz zu früheren Verfahren wird heute sehr viel Wert darauf gelegt, jeden Zentimeter von noch gesunden Venen zu erhalten, da diese für gefäßchirurgische und herzchirurgische Bypaßoperationen für den Patienten lebenswichtig werden können.)
Thrombektomien venös bei Beckenvenenthrombose (unter bestimmten Umständen kommt es typischerweise linksseitig zu einer akuten lokalen Blutgerinnselbildung in den Oberschenkel- und Beckenvenen mit der akuten Gefahr einer Lungenembolie und der langfristigen Gefahr der Ausbildung von ausgedehnten Krampfadern und evtl. auch Ausbildung eines sog "offenen Beines".)
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